In der Presse... Umschlagtext Leseprobe

Neuigkeiten vom Mittelpunkt der Welt. Sachbuch.

Die Goldenen Zwanziger glänzten in einer Beziehung tatsächlich golden: im Reichtum ihres Theaterlebens. Die Bühne war der Mittelpunkt der Welt, und die Kritik empfand sich als ein Teil dieses Zentrums. Deutschsprachige Theatergeschichte wird als Drama eigener Art erzählt.

Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1994, 312 S., 39,80 DM (vergriffen).

 

In der Presse...

"Kenntnisreich, fundiert und äußerst lebendig."
Neue Zürcher Zeitung
 
"Was für ein Vergnügen, einmal zwei Kritiker einer so subtilen Kritik unterzogen zu sehen!"
Felix von Manteuffel, Vogue
 
"Lothar Schöne hat auf kurzweilige Weise eine Theatergeschichte geschrieben, die sogar als Nachschlagewerk nutzbar ist."
Wolfgang Bager, Südkurier
 
"Lothar Schöne, ein exzellenter Kenner des Theaters, hat nicht allein analysiert: er hat ein Thema gründlich inszeniert. Kritik als erkenntnistheoretischer Vorgang wird bei ihm zur spannenden Studie. Er kommt damit der Forderung Friedrich Schlegels nahe, daß nämlich Poesie nur durch Poesie kritisiert werden könne."
Ulrich Seilich, Handelsblatt
 
"Schöne versteht es, das Theater der Weimarer Republik amüsant, spannend und literarisch anspruchsvoll auszubreiten."
Die Welt
 
"Von Seite zu Seite lesen sich diese ´Neuigkeiten´mit steigendem Genuß, und zwar auch dann, wenn man theatergeschichtlich nicht vorgebildet ist."
Süddeutsche Zeitung
 
Schöne dürfte nicht nur Zustimmung finden, andere Kenner der Geschichte urteilen anders.
Ingvelde Geleng, Welt am Sonntag
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Umschlagtext...

Die goldenen Zwanziger glänzten in einer Beziehung wirklich golden: im Reichtum ihres Theaterlebens, in der Produktivität der Dramatiker und der Produktivität der Kritiker. Das Theater der Weimarer Republik besaß all jene Eigenschaften, die die Bühne zu einem aufregenden Erlebnis machen: es war wild, aufsässig und provozierend. Die künstlerischen Explosionen der Zeit fanden zu großen Teilen auf der Bühne statt. Naturalismus, Futurismus, Expressionismus, Dada, Politisches Theater - das Publikum kannte die Ausdrucksformen der neuen Kunst. Die Bühne war der Mittelpunkt der Welt, und die Kritik empfand sich als Wegweiser dorthin, lieber aber noch als Teil des Zentrums. Die großen Theaterkritiker der Zeit hießen Alfred Kerr und Herbert Ihering. Ein und dasselbe Stück konnte sie zum Verriß wie höchster Lobrede provozieren. Sie besaßen nicht nur enormen Einfluß, sie waren Gegenspieler par excellence, die das Feuilleton ihrer Zeitungen zum Boxring umfunktionierten. In erzählerischer Form wird die moderne deutschsprachige Theatergeschichte dargestellt und zugleich die Auseinandersetzung Kerrs und Iherings als Kampf ums Theater deutlich gemacht, als ein Drama eigener Art, das dem Leser neue Einsichten vermittelt und ihm beiläufig hohes Vergnügen bereitet.

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Leseprobe

Theater ist eine vergängliche Kunstform. Den Mimen flicht die Nachwelt nur in den seltensten Fällen Kränze. Stehen sie nicht mehr auf der Bühne, sind sie auch schon vergessen. Zwar gibt es heute die Videoaufzeichnung, doch in den Jahrhunderten zuvor blieb letzten Endes nur die Theaterkritik. In der theaterwissenschaftlichen Literatur über die Weimarer Republik wird die Kritik dementsprechend als historisches Dokument gesehen, als Quelle, mit deren Hilfe das Theater einer vergangenen Epoche rekonstruiert werden kann.

Zwischen Theaterkritik und Theaterwissenschaft besteht ein Verhältnis von gekränkter Mißachtung. Die Kritik ignoriert die Wissenschaft und die Wissenschaft schaut auf die Kritik herab. Hans Knudsen, der die Theaterwissenschaft der fünfziger und sechsziger Jahre bestimmte, und unter dessen Ägide eine Reihe von Dissertationen über Theaterkritiker entstanden, gab die Losung aus, daß, wer auch nur eine einzige Theaterkritik verfassen wolle, erst Theaterwissenschaft studieren müsse. Die grauen Monographien seiner Schüler sprechen leider eine ganz andere Sprache. Den Musen sei Dank, daß all die studierten Theaterwissenschaftler nie Theaterkrtiker wurden. Derselbe Hans Knudsen hatte sich schon 1935 geregt, auch damals sehr deutlich: der Theaterkritiker, forderte er, sei Mitkämpfer in einer neuen Zeit, für eine neue deutsche Kultur und für die "Entfaltung des deutschen Wesens". ,,Es gibt nicht mehr die frühere Beliebigkeit des Standpunktes, es gibt auch für den Theaterkritiker nur einen obersten Gesamtwillen, den er zu beachten und zu befolgen hat..."

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