In der Presse... Umschlagtext Leseprobe

Mephisto ist müde. Welche Zukunft hat das Theater?.

21 Autoren aus Kunst, Wissenschaft und Politik reflektieren in Essays das deutschsprachige Theater der Gegenwart.

Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1996, 220 S., 39,80 DM (vergriffen).

 

In der Presse...

„Ein hochgescheites Kompendium über die Theaterkunst der neunziger Jahre, in dem ganz unterschiedliche Temperamente zu Wort kommen.“
Süddeutsche Zeitung
 
„Der Rest ist Schweigen – niemals! Lothar Schönes Essaysammlung beweist es mit Nachdruck.“
Frankfurter Rundschau
 
"Aus ganz unterschiedlichen Perspektiven beschreiben und beurteilen die Autoren das Theater unserer Zeit ... für Theaterpraktiker und -politiker eine Fundgrube."
Wiesbadener Kurier
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Umschlagtext

Das deutsche Theater befindet sich in einer Krise. Gewiß, Theater und Krise reimen sich, seitdem das Theater existiert. Doch diesmal gleicht der Patient einem satten Wohlstandsmenschen, dem seine reichgedeckte Tafel weggezogen wurde. Die Bühnen müssen sparen, Schließungen sind längst kein Gerücht mehr. Wehgesänge werden angestimmt. Der Untergang des Abendlandes scheint ganz nah. In diesem Buch nehmen 21 Autoren zu der Frage "Welche Zukunft hat das Theater?" Stellung. Sie reflektieren das hochsubventionierte deutschsprachige Stadt- und Staatstheater und urteilen aus unterschiedlichen Perspektiven: die der Bühnenautoren, die der Theatermacher, die der Kritiker und die des Publikums. Mit Beiträgen von August Everding, Erika Fischer-Lichte, Jens Frederiksen, Gisela-Johanne Fuchs, Siegfried Rauch, Renate Heitmann, Hans-Joachim Heyse, Martin Hielscher, Siegfried Kienzle, Petra Kohse, Dea Loher, Andreas Marber, Andreas J. Meyer, Jörg Mihan, Martin Mosebach, Lothar Schmidt-Mühlisch, Michael Schneider, Lothar Schöne, C. Bernd Sucher, Michael Töteberg, Gerd Ueding.

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Leseprobe

Theater und ähnliche Perversitäten.

Eine Polemik.

Don Carlos aalt sich in der Badewanne, Minna von Barnhelm muß öfter aufs Klo, Iphigenie lauert hinter der Mülltonne, und der junge Faust nähert sich einem 80jährigen Gretchen mit geiler Grimasse. Pinkelnde Prinzen und Pissoirs als Bühnenbilder sind den Theatergängern ebenso vertraut wie gackernde Hühner oder quiekende Schweine auf der Bühne. Und wenn dem Regisseur gar nichts mehr einfällt, zieht er die Schauspieler halt aus. Doch auch Genitalien lassen sich rezensieren - bloß nach welchem Maßstab? Große Gefühle setzt die Bühne nicht mehr frei, allenfalls ein wenig Gedankenakrobatik, ein paar Anstrengungen für den Heimweg, den man mürrisch antritt. Ach ja, ein Klassiker wurd wieder einmal vorgeführt, also ein Regie-Federgewicht verlief sich ins Autorenschwergewicht und ist fürchterlich zu Boden gegangen. Nur hat es der Spielwart nicht gemerkt und binzelt mit bloßem Auge seinem nächsten Niederschlag entgegen.

An den großen Bühnen, so scheint es, wird Theater nur noch für einen kleinen Kreis von Eingeweihten zelebriert: die Kritiker. Theater findet sodann im Feuilleton statt, es ereignet sich in den Medien. Peter Zadek wurde auf das neue Stück von Franz Xaver Kroertz erst durch eine Rezension aufmerksam. Stück und Inszenierung waren ihm völlig entgegangen. Wenn in den Medien nichts passiert, bietet sich eine weitere Möglichkeit an, die heftig zum Theaterspielen benutzt wird: das Programmheft. Heiner Müllers "Verkommenes Ufer", ein Zwölf-Seiten-Dramolett über den Antiken Medea-Stoff, erhielt zur Uraufführung ein Programmheft von 490 (vierhundertneunzig) Seiten als Stütze. So schaffen die Autoren nicht nur Arbeitsplätze rund um die Bühne, sondern auch in der Papierindustrie.

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