In der Presse... Leseprobe

Die Diva am Rhein. Ein historisches Portrait Wiesbadens.

Die Geschichte einer Stadt – ein bisschen anders als sonst erzählt.

Verlag H. Schmidt, Mainz 1997, 48 S., DM 19,80 (mit Zeichnungen von Svato Zapletal)

 

In der Presse...

„Ein respektloses Porträt Wiesbadens bis in die Gegenwart, frech und witzig erzählt.“
Wiesbadener Kurier
 
„So lassen wir uns Stadtgeschichten gefallen.“
Hessischer Rundfunk
 
 
 
 
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Leseprobe

Ihre Anfänge liegen im tiefen Dunkel. Niemand weiß etwas Genaues, und sie selbst schweigt sich beharrlich aus. Wiesbaden, die Diva am Rhein, hat ihr Alter in undurchdringliches Parfüm gehüllt. Doch eine kleine Indiskretion sei erlaubt: als Cäsars Legionen einst den Fluß überschritten, lag sie schon hingestreckt in einer Senke und schlummerte.

Das tut sie heute noch, nur wollen es ihre Einwohner nicht wahrhaben. Sie tummeln sich im Thermalbad, laben sich an des Kochbrunnens fauligem Wasser und flanieren die Wilhelmstr. auf und ab. Hier ist Leben! Wir befinden uns im Nizza des Nordens. Das ist keine dieser ollen Kurstädte, in denen Gichtbrüchige und Rheumageplagte sich von einer Klinik in die andere schleppen. Daran ist eines richtig: Wiesbadens Heilkräfte zogen bereits früh allerlei Volk an, um nicht zu sagen Völker. Daraus entwickelte sich eine gewisse Geschäftigkeit.

Die Germanen vertrieben die Kelten, und die Römer schlugen die Germanen in die Flucht. Zugleich waren sie entzückt von den heißen Quellen. Kein Geringerer als Plinius gedachte ihrer - und das bereits im Jahre 50 nach Christus.

Es ging drunter und drüber damals in Wiesbaden: die Ansiedlung war Überfallen und Plünderungen von Anfang an ausgesetzt. Jeder wollte sich in den heißen Quellen gesundplantschen. Paradoxie der Geschichte: Wer die Beschaulichkeit genießen wollte, mußte sie erst mit Waffengewalt herstellen.

Immerhin sollte man die römischen Legionen nicht allzu sehr verachten, sie erst schufen die Badeanlagen und privaten Wohnhäuser, die sich vom Kochbrunnen in die heutige Lang- und Kirchgasse erstreckten. Fleißige Leute waren es obendrein, denn nach jedem feindlichen Alemanneneinfall bauten sie das Zerstörte rasch wieder auf. Vermutlich hatten sie sich in die Diva schon verliebt und konnten es nicht ertragen, sie verletzt zu sehen . Auch wollten sie ihr eine angenheme Lagerstätte verschaffen und legten ein Stück sumpfigen Boden nach dem anderen trocken.

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